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Sonntag den 02.10.05 |
Kühl, wolkenverhangen,
aber es regnet (noch) nicht. Auf unserer Reise zum Camino de Santiago haben
wir nach einem ersten total verregneten Reisetag im Hotel Campanile in
Bescancon übernachtet. Der Start war am Samstag (gestern) um ca. 11:30 Uhr.
Es regnete ohne Unterlass bis Freiburg. Dort kamen wir erst um 16:30 Uhr an,
weil Reini auch noch einige Zwischenstationen einlegen musste. In Freiburg
(Catherine war gerade umgezogen in eine neue Wohnung) wurde der Anhänger
entladen. Gerhard konnte den Elektroherd anschließen, was natürlich für
Cathi und Flo ganz toll war, denn nun können sie kochen. So um ca. 18 Uhr
gings weiter im Regen und im Dunkeln nach Frankreich. In Bescancon, im Hotel
Campanile konnten wir noch was essen und trinken und sind noch etwas
gelaufen, weil wir den ganzen Tag gesessen hatten. Ich konnte sehr gut
schlafen. Das Frühstück war echt super, ganz untypisch für Frankreich. Jetzt
geht’s gerade durch den Jura.
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Montag,
den 3.10.05 |
In Deutschland ist
heute Feiertag – Tag der deutschen Einheit. Wir fahren immer noch!
Eigentlich wollten wir es gestern schaffen. War aber nicht zu machen. Wir
sind über 800 KM gefahren. Das Wetter wurde zwischenzeitlich besser, aber
nicht sehr warm. Nachmittags, als wir wussten, dass wir es nicht schaffen,
machten wir Pause in Carcasonne. Dort gibt es eine Burgstadt auf einem Fels.
Cite - heißt das. Da sind wir rumgelaufen und es war sehr interessant.
Besonders eine Art Karnevalsaufführung hat unsere Aufmerksamkeit erregt –
verkleidete Leute – Clowns, Bäcker, Männer als Frauen verkleidet – die unter
Musikbegleitung hintereinander auf dem Boden sitzend hin und her schaukelten
und Kinder über Ihre Köpfe hinweg durchreichten. In der Cite´von Carcasonne
hätte es noch viel zu sehen gegeben, doch wir wollten dann weiter. Plötzlich
peitschte wieder der Regen und es stürmte. Wir waren etwas feucht, als wir
zum Auto zurückkamen. Wir fuhren noch bis Foix, einen kleinen
Pyreneenstädtchen, wo wir ein bezahlbares Hotel fanden. Es regnete und es
war ziemlich windig. Wir gingen „quelgue chose a manger“ in einem Bistro
namens „Au bureau“ , das sehr gemütlich war. Dort aßen die Männer „e Stück Fleesch“
mit grünen Bohnen und noch mehr Knoblauch, die Frauen Flammkuchen und Pizza.
Wir haben einiges (Bier) gebechert und sind dann ins Bett gesunken, obwohl
Gerhard eigentlich gern noch ins Städtchen wollte. Heute morgen gabs ein
bescheidenes französisches Frühstück- Kaffee, Croissant, Butter, Marmelade
und wir sind „on the road again“. Das Wetter ist kühler als gehofft, so dass
Anna schon überlegt, warme Sachen einzukaufen.
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Montag,
den 03.10.05 |
Unterwegs beschlossen
wir, nach Lourdes zu fahren, wo wir schon in der Gegend waren. Es war ein
einziger Nepp und die Grotte war nur eine kleine Einbuchtung. Trotzdem waren
wir von der Stätte und Andacht der Menschen schon sehr beeindruckt. In der
Kirche sind überall Tafeln mit Danksagungen und Hoffnungen für Heilungen,
überstandene Kriege, Notlagen usw. Danach war es noch ganz schön weit bis
St. Jean Pierre du Port. Dort suchten wir das Pilgerbüro auf „acceuil“ und
holten uns den ersten Stempel auf dem „chemin St.Jaques“. Auch die Herberge
wurde gebucht und das war für mich eine ganz neue interessante Erfahrung.
Mehrere Zimmer, mit immer 10-15 Etagenbetten – 3 Duschen,3 Klos, 1Küche im
Keller, ein Aufenthaltsraum und die Wände aus Naturstein. Dann gab es noch
die „Maman des Pelerins“ – eine etwas nervige, aber sehr herzliche und liebe
ältere Frau, die alle Pilger bemutterte, für jeden ein gutes Wort hatte und
Sorgen linderte. Wir gingen was essen, es war ziemlich kalt und Reini
behauptete dauernd, ich hätte dies und das nicht eingepackt. Gegessen haben
wir in einer Brasserie mit einem unfreundlichen Kellner. Dazu gab es noch
ein Eklat – Gerhard hatte eine angebliche Schweinshaxe, die nur aus Haut,
Fett und Knochen bestand. Dagegen hatten Reini und ich Omelette mit frischen
Champignons, was sehr lecker war. Wein gab es reichlich, eine Flasche noch
in der „auberge“. Wir haben mehr oder weniger gut geschlafen. Dann gings
endlich los – am Dienstag, den 4.10.05 – doch nicht vor einem „petit
dejeuner francaise“(einfach) in der cuisine (Küche) der bonne maman. Die
erste Tour war gleich ganz schön anstrengend. Wir überquerten die Pyreneen
und die französische – spanische Grenze. Es ging gleich steil los – bei
Sonnenschein, so dass wir nach und nach Jacke und Fleece Shirt auszogen.
Gegen Mittag zogen so ziemlich oberhalb der Baumgrenze Wolken auf, es wurde
kalt und sehr windig. Die Landschaft war – auch bei Aufmarsch – faszinierend
– unter uns Meere von Nebel mit Berggipfeln dazwischen. Laubwald in allen
Farben, Kühe, Schafe und immer wieder das „Buen camino“ der anderen Pilger.
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Dienstag
bis Donnerstag, 04.- 06.10.05 |
Mittlerweile wandern
wir schon den 3. Tag und sind auf den Weg nach Pamplona. Nun ist so schon
etwas schwierig, alles zu rekonstruieren. Also zurück zum 1. Wandertag am
4.10. Dienstag. Oben am Paß wars kalt – das Mützchen musste her. Auf dem Weg
bergab nach Roncesvalles kam die große Überraschung –Reini sagte an, er
wolle zurücklaufen – also umgezogen, Schuhe an und los gings über den
Ibaneta-Paß. Wir gingen bergab nach Roncesvalles. Das zog sich ziemlich .
Ich wurde immer langsamer. Roncesvalles – alles großzügig angelegt- eine
Abtei in hervorragendem Zustand - dort gings erstmal zur Anmeldung, um den
„sello“ (Stempel) für das Pilgerbuch abzuholen. Die Übernachtung in der
Pilgerherberge war ein eindrückliches Erlebnis: Kirchengewölbe mit ca. 80
Betten – Etagenbetten versteht sich. Es wurde verwaltet von holländischen
ehrenamtlichen Helferinnen, die sowohl leise geistliche Musik als auch
wohlriechende Düfte verbreiteten, sehr freundlich waren, aber bestimmt auf
die Regeln achteten: nämlich - Wanderschuhe ausziehen, nur mit Latschen zum
Bett, um 22 Uhr Schlafzeit – Licht aus. Ich konnte trotzdem einigermaßen
gut schlafen. Vorher gabs aber Essen.“ Menü des peregrinos“ und leider „Sardinas
mit patatas fritas“ , vorher Suppe, nachher Joghurt. Reini konnte daher
nichts essen und wir hatten mehr! Jetzt geht’s weiter nach Pamplona - den
Berg hoch. Inzwischen liege ich in einem bequemen Hotelzimmer in Burlada,
einem Vorort von Pamplona. Doch dazu später mehr.
Am Dienstag, den 4.10.
war der Tag dann bald zu Ende, obwohl unsere Männer gerne noch ewige
Scheidebecher getrunken hätten. Wir mussten in die Herberge!
Und dann wars dunkel.
Und jeder Peregrino war bei sich – in seinem Etagenbett, mit seinen
Gedanken, Erinnerungen, Sehnsüchten – und Schmerzen. Sicher wurde man einige
Male geweckt, aber ich zumindest hatte ausreichend Schlaf. Am nächsten
Morgen hingegen (Mittwoch, den 5.10.05) gab es ab 5:30 Uhr Leben im düsteren
Gewölbe. Manche Pilger packten schon, liefen zu den Klos und die ersten
verließen um 6:30 Uhr die Herberge. Um kurz vor 8 Uhr- es war noch ziemlich
dunkel – gingen auch wir. Erstmal zum Auto, um Wasser zu laden. Dann wurden
die Rucksäcke gepackt und wir wanderten in der Dämmerung – eingepackt in
Jacken und mit Handschuhen – zum nächsten Ort, um dort in eine Cafebar zu
frühstücken. Diese Idee und den Hunger hatten ziemlich viele Pilger und es
war ein schöner Auftakt für den Tag, zumal die Sonne schon Gutes ahnen ließ.
So gings über Stock und Stein , durch Matsch und auf Asphalt und Pflaster
Richtung Zubiri durch eine hügelige, mit kleinen Weilern gespickte
Landschaft. Auf dieser Strecke gabs viel Wald – Laubwald – Kühe und Schafe.
Es wurde ziemlich warm. Nach und nach gabs kleine Wehwehchen – die Schultern
schmerzten, Gerhards Knie tat weh, Ingrids (meine) Füße fingen an, Anna
hatte Hüftprobleme. Am Nachmittag erreichten wir Zubiri über eine schöne
alte Steinbrücke und tranken je ein cervesa (Bier) in der Sonne. Obwohl wir
(Anna und ich) eigentlich nicht mehr wollten, wanderten wir noch nach
Larrasoania weiter, ein schönes Dorf, dessen Bürgermeister im Rathaus die
Pilgerherberge hat. Wir waren froh, dass wir den Weg noch gegangen waren,
denn so hatten wir die hässliche Magnesitfabrik zwischen Zubiri und
Larrasoania hinter uns. In Larrasoania wurden wir herzlich empfangen und
zogen in die erweiterte Herberge gegenüber vom Rathaus. Nun wurde ich
fußkrank – mein rechter Fuß war/ist Matsch. Ich konnte nur noch humpeln. Die
Männer fuhren mit dem Bus das Auto holen, während wir Frauen zum
vorbestellten Essen im einzigen Restaurant des Dorfes gingen. Dort sprachen
wir mit Leuten aus Frankreich, England, Holland, Spanien und Deutschland und
ich erklärte, dass ich gerade eine Fremdsprache nämlich das Engelbächer
Platt lerne. Ach, genau ich hab was vergessen. Am Abend vorher, bei dem
unglückseligen Fischmenü, brachte uns Gerhard eine wunderbare Engelbächer
Vokabel bei - „ievest“ -.Dafür gibt es mehrere Übersetzungen z.B. dies und
das/Alles Mögliche usw. Ich finde das Wort faszinierend.
Doch zurück zum
gestrigen Abend. Der Chef führte in dem Lokal ein militärisches Regiment.
Wir wurden aufgerufen und durften uns ziemlich eng am Tisch setzen. Als er
den 2. Gang erklärte, tat er das mit tierischen Geräuschen, um die Herkunft
des Fleisches zu bestimmen. Wir wurden gefragt, was wir wollten und Anna
zögerte etwas, weil sie trotz meiner eifrigen Übersetzungsversuche nicht
alles verstanden hatte. Daraufhin fing der Wirt an zu singen. In dem Lied
gings um Maria -soviel weiß ich noch – und als Anna gewählt hatte, hat er
noch einen baskischen „Hast´s gut gemacht“ nachgeliefert. Wir haben uns
natürlich kaputt gelacht! Ansonsten verlief das Essen harmonisch und
lebendig. Ein Superman-Spanier an unserem Tisch hatte die Tour von Köln
schon gemacht und wollte im kommenden Jahr von Sevilla aus gehen. Wir waren
noch nicht ganz fertig, da kamen unsere Männer und hatten Hunger. Wir
mussten umziehen und Gerhard und Reini aßen mit einer Herde Spaniern und
Brasilianern. Hinterher gab es noch fröhliche Gespräche mit Vino tinto,
cervesa und ispanjara,ein Schlehenlikör, bis der Wirt in die Hände klatschte
und die Pilger rausschmiss. Eine Gruppe Schweizer (3) die ziemlich viel
vertragen konnten nahmen dankend an, als Gerhard ihnen vorm Rathaus an
unseren Bus ein Bosch-Bier anbot. Ich ging ins Bett und bald folgten Anna,
Gerhard und Reini. Die Nacht war ziemlich unruhig, weil um mich rum lauter
Spanier Brasilianer und Deutsche schnarchten. Heute morgen 6.10.05 wieder
das gleiche Spiel – noch im Finstern – Genestel, Gepacke, Abmarsch. Anna
wollte nicht raus, ich konnte nicht laufen. Trotzdem versuchte ich es- nach
Sohlen – und Schuhtausch. Wir gingen zu dem sangesfreudigen Wirt
frühstücken, der prompt ein Lied über pobre peregrinos = arme Pilger
schmetterte. Nach einem bescheidenen Frühstück gings los. Etwa 2 Stunden
war der Weg sehr schön – durch Flussniederungen, Pfade an Bergen, durch
kleine (ehemals) verlassene Dörfer – dann war es weniger romantisch an der
Straße. Asphaltwege – bis hier her nach Burlada, einer kleinen Stadt vor
Pamplona, wo wir in einem Hotel nächtigten, weil wir mal Ruhe brauchten,
richtig baden wollten und ich nicht mehr kann. Immerhin sind wir schon 63 KM
gelaufen. Heute Nachmittag haben wir uns die Kathedrale von Pamplona
angeschaut und waren ein einer Bodega Tapas essen. Da die ganze Zeit
schönes Wetter ist, lässt es sich auch mit ein bisschen Schmerz leben. Ich
hoffe nur, er vergeht wieder. Gleich wollen wir noch nach Pamplona essen
gehen.
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Freitag,
den 7.10.05 |
Wir haben heute
Wanderpause gemacht und dafür Sigthseeing in Pamplona. Das hat auch ganz
schön angestrengt. 10 KM waren es heute bestimmt auch. Gestern Abend hatten
wir noch gut gegessen, in einer Bar und später im Hotel noch was getrunken
und gut geschlafen. Heute sind wir erst um 8:30 Uhr aufgestanden. Das
Frühstück war wie immer spärlich, doch das schöne Wetter hat uns
entschädigt. Es war den ganzen Tag sonnig und völlig wolkenlos. Pamplona ist
eine schöne Stadt mit vielen kleinen Gässchen und einem wunderschönen Platz
oben an der Kathedrale. Da kommt so richtiges spanisches Urlaubsfeeling auf
– in dem kleinen Cafe´draußen sitzend, in die Sonne blinzelnd, ein Weinchen
vor der Nase. Die noch starke Sonne durchdringt und vertreibt alles! Heute
Morgen sind wir über die alte Pilgerbrücke – Magdalenenbrücke - gegangen
und dann durch das mächtige Stadttor mit Hängebrücke. Da kann man ein
bisschen nachempfinden, weil es die alten Orte sind. Wir haben uns unseren
Stempel abgeholt und waren in der alten sehr schönen Pilgerkirche San
Saturin/San Cernin, wo die Statue der Schutzheiligen von Pamplona und des
Jakobsweges steht – die Virgen del Camino. Danach saßen wir auf dem Platz
del Castillo mit Cafe con leche in der Sonne und haben Karten geschrieben.
Einfach herrlich. Als nächsten Programmpunkt mussten wir unbedingt die Calla
Estafeta durchlaufen, wo 1x jährlich arme Stiere und ein Haufen Idioten
während der Sanfermines durch die Straßen rennen und sich gegenseitig
zerfleischen. Ein bisschen shopping, ein Picnic in der Sonne oben an der
Kathedrale – Siesta in der Sonne, der Fußmarsch ans südwestliche Ende von
Pamplona und ein Scheidebecher auf dem Plaza del Castillo. Herrliche 1 ½
Tage in Pamplona. Morgen geht’s weiter.
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Samstag,
den 8.10.05 |
Die nächste Etappe bis
Puente de la Reina ist geschafft. Um fast 18 Uhr sitzen Anna und ich in
richtig warmer Sonne vor der alberge, wo wir heute Nacht schlafen werden.
Gestern Abend hatten
wir eine kleine Verwirrung, weil wir in der Vorstadt Burlada kein
geeignetes Lokal zum Essen fanden. Ziemlich entnervt nahmen wir ein Taxi
nach Pamplona und aßen teuer auf dem Platz de Castillo.
Nach dem Frühstück
gings per Auto ans andere Ende von Pamplona, dort gings zu Fuß weiter,
zunächst vorbei an der Universität und den Außenbezirken (nicht so schön
zulaufen), dann in die Sierra auf den Bergkamm zu - mit den Windrädern.
Landschaftlich schön war das Licht – Schattenspiel auf den Feldern, weil es
sehr hügelig ist. Weiter oben wurde es richtig zugig, so dass man was
überziehen musste. Wir trafen einen Schweizer Rentner, der vom Bodensee bis
zu den Pyreneen gewandert war (letztes Jahr) und in diesem Jahr schon von
Burgos nach Compostella, nur das Zwischenstück fehlte noch. Oben auf dem
Bergkamm steht ein modernes Pilgerdenkmal, wo man gut Fotos machen kann.
Dann kam ein schwieriger Teil der Etappe.
Von dem
Klimascheidepunkt gings ziemlich steil bergab und zwar Geröllhalden runter.
Da waren Laufschuhe fehl am Platz, aber es ging, wenn auch langsam. Das Land
ist hier auf der anderen Seite des Bergkamms (camino de perdon) wesentlich
trockener und die Vegetation ist anders. Jetzt begegnen wir Feigen- und
Olivenbäumen und der Oleander blüht! In einer Bar in einem unausgesprochenen
Ort gabs eine Runde Cervesa und Spaghetti, dann gings durch bis Puente de la
Reina.
In Obanos würdigten wir
den Ort wo der Aragonesische Und der Navarrische Weg zum „Camino frances“
zusammen kommen. Und vor Puente de la Reina gibt’s ein Pilgerdenkmal mit
einer Inschrift, dass von dort an nur noch ein „Camino de Santiago“
existiert. Hier in Puente de la Reina überquerten wir die mittelalterliche
schöne Pilgerbrücke und logieren nun in einer neu gebauten Privatherberge.
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Sonntag,
den 09.10.05 |
Heute sind wir in
Estella, zu deutsch: Die Schöne – angekommen. Gestern haben wir noch die
1000 Jahre alte Pilgerkirche Eunate besichtigt, die nur einige Kilometer von
Puente de la Reina auf dem Aragonesischen Weg liegt. Das war sehr
beeindruckend. Es ist ein achteckiger Bau und die Pilger werden eingeladen
zu verweilen und in sich zu gehen. Viele Pilger, die ihr Leben verloren
haben, sind dort beerdigt. Innen ist die Kirche ganz einfach – nicht wie die
anderen katholischen prunkvollen Kirchen. Als wir reinkamen, standen 3
Leute zusammen und haben sich an den Händen gehalten. Ein spiritueller
Höhepunkt!
Nach dem guten
reichlichen Pilgermenü waren wir noch in der Stadt mit vielen Gässchen,
haben uns in der Iglesia Santiago eine Holzstatue vom heiligen Jakobus
angeschaut und waren in einer spanischen Bar, wo Gerhard staunte, da die
Leute nicht miteifern, obwohl es ein Länderspiel mit Spanien gab. Zum
Abschluss des Tages saßen wir vor der Herberge, tranken Vinto tinto und
sangen: „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“.
Heute habe ich in
Puente de la Reina noch eine kleine Fotosession gemacht und das Auto nach
Lorca (km 13) gefahren, wohin die anderen schon gewandert waren.Von da gings
gemeinsam weiter bis hier her. Es war wieder sonnig und warm, der Weg war
zumindest im letzten Teil nicht so schön. Reini läuft jetzt nach Lorca und
holt das Auto. Interessante Begebenheiten unterwegs gab es nicht viel –
außer, dass wir den Schweizer in einer Bar wiedertrafen (er trinkt immer
eine ganze Flasche Wein) und einen pilgergrüßenden Papagei, der immer ´Hola´ruft,
wenn jemand vorbeigeht.
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Montag,
den 10.10.05 |
Wir sitzen im Cafe´in
Los Arcos und sind heute 22 Km gelaufen. Unsere Männer sind wie wild am
Politisieren, weil Frau Merkel Kanzlerin geworden ist. Reini regt sich
fürchterlich auf. Gestern abend haben wir ein gutes Pilgermenü gegessen und
dabei einen jungen Deutschen getroffen, der hier arbeitet. Außerdem redeten
wir mit einem Schweizer und einer Japanerin, die beide mit dem Fahrrad nach
Santiago unterwegs sind. Er hatte Ihr geholfen, weil sie einen schweren
Rucksack zu tragen hatte. Sie wollte eigentlich in der Alberge übernachten,
ist aber dann mit ihm ins Hotel gegangen…. obwohl sie schon gehustet hat wie
verrückt. Oh Mann!
In der Herberge wars
sehr eng, aber die Betten waren gut, so dass zumindest ich sehr gut schlafen
konnte. Heute morgen kam der Schock. Regen! Alles naß! Draußen natürlich,
aber da mussten wir ja hin. Die übliche Kramerei, ein sehr mageres Frühstück
– nur mit Plätzchen und Marmelade, so dass Brot, Wurst und Margarine aus dem
Auto geholt wurden. Die anderen Pilger mockierten sich etwas über die
Pelerins alemans vor allem über den „truc“ (Kerl) – Gerhard, der des Nachts
so viel Krach gemacht hatte, dass manche nicht schlafen konnten. Es war ein
bisschen Geräusel, bis wir endlich loskamen. Ständig hatte irgendeiner was
vergessen. Reini und ich haben uns gelbe Säcke für den Rucksack mitgenommen,
weil keinen Regenschutz besitzen. So gings los. Erst war es erstaunlich warm
und es hat sich trotz sehr düsterer Wolken gehalten. Es ging hoch nach
Villamayor, wo wir in einer Alberge, geführt von holländischen Freiwilligen
leckere Bocadillos mit Schinken und Ei aßen, nicht ohne die Hauskatze auch
zu füttern. Dann wurde es kalt und es regnete ein paar Tropfen. Wir
verpackten uns und es ging durch Weinberge mit blauen Trauben, wo der gute
Rioja herkommt.
Vor Villamajor, im
Dörfchen Azqueta, wartete ein netter spanischer Rentner auf uns und
versorgte uns mit Stempeln und Walnüssen. Er zeigte uns noch einen Stein,
den er vom Camino hatte - mit dem Kreuz des Santiago und des Königs von
Navarra. Dazu gab es noch ein Foto mit ihm drauf. Nach Villamayor gab es bis
hier her keine Ortschaft mehr, dafür war die Landschaft schön und es war
sehr windig. Noch eine Etappe, dann kommt shopping und die lange Rückfahrt.
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Dienstag 11.10.05 |
Ich liege in einem
feudalen Hotel auf dem Bett und schaue spanische Nachrichten . In Pakistan
gabs ein Erdbeben, nach Spanien kommt ein Zyklon und in Valencia gabs einen
Gasanschlag, vermutlich von El Kaida. Wir haben unseren Trip zu Fuß heute
beendet mit einem Mammut- Marsch von 29 Km von Los Arcos nach Logronos.
Gestern schliefen wir
in der Alberge in Los Arcos, die von belgischen Freiwilligen bewirtschaftet
wird. Wir bekamen ein 4-Bett Zimmer. Das gefiel uns sehr gut. So konnten wir
noch ein bisschen feiern, nachdem die Herberge um 22 Uhr schon schloss.
Vorher wohnten wir einem Ereignis der besonderen Art bei - der katholischen
Messe mit anschließendem Pilgersegen in der gigantisch prunkvollen Kirche
Santa Maria von Los Arcos. Das lief so ab, dass eine Nonne erst ungefähr ¼
Std. immer wieder das Ave Maria betete und die Gemeinde nach betete . Dann
gab es eine Prozession, an der wir auch Teil nahmen. Es ging im Kreuzgang
immer rundrum. Es wurde immer Ave Maria gebetet und das Lied „Santa Maria“
gesungen. Dann gings weiter mit endlosen Gebeten, Abendmahl und zum Schluss
sollten alle Peregrinos nach vorn kommen zum Priester, der uns segnete und
uns aufforderte, in Santiago de Compostella für den Frieden, die Armen, die
Kranken und die katholische Kirche zu beten. Als er anfing,
Heiligenbildchen zu verteilen, verließen wir die heiligen Hallen. Der
heilige Gerhard lief noch schnell die Pilgerpässe holen, um sich von den
eifrigen Kirchendamen Stempel abzuholen.
Dann brauchten wir
endgültig einige Cervesa und beschlossen den Tag mit Rotwein in der
Pilgerherberge. Den hatten Reini und Gerhard aus dem Pilgerzapfhahn beim
Kloster Irache gezapft und er war sehr lecker. Heute morgen haben wir in der
Herberge gefrühstückt und sind mit weniger Gepäck sehr zügig gegangen, durch
Torre del Rio, ein malerisches Örtchen in den Rotweinbergen, dann einen
langen Weg auf und ab durch Weinberge und Olivenhänge mit kleinen
Unterständen, Einsiedeleien, doch über ca. 11 Km ohne einen Ort.
Das Wetter war morgens
recht trüb, wurde aber im Lauf des Tages immer besser, so dass wir wieder
kurzärmelig laufen konnten.
Mittags waren wir alle
sehr pausenreif. Deshalb suchten wir uns im Ort Viernas ein Restaurant und
kamen auch genau richtig zum Menu del Dia. Dort kamen auch viele Arbeiter
aus der Stadt essen und wir ließen es uns so richtig gut gehen. Gestärkt und
etwas angetrunken gings wieder auf die Piste. Wir liefen zügig in flacheres
Land, erreichten die Provinzgrenze von Navarra und kamen nach Rioja. Der
Anmarsch auf Logrono zog sich etwas, immer weiter durch Weinanbaugebiete.
Ich trällerte noch einige Liedchen und wir erreichten Logrono, indem wir am
verwahrlosten Hof von Doria Felicia vorbeikamen, die ihren Lebensabend damit
bestreitet, die Pilger zu empfangen, ihnen Stempel zu geben und „Buen camino“
zu wünschen. Hier liefen wir durch die Stadt, fanden das Hotel Murietta und
zogen nach dem Duschen wieder zum Busbahnhof, damit die Männer das Auto
holen konnten.
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Mittwoch, den 12.10.05 |
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Donnerstag,
den 13.10.05 |
Am Dienstagabend waren
wir in der Stadt Logrono, haben schön gegessen, hinterher noch in einer Bar
etwas getrunken. Wir wunderten uns, dass so viele Leute nach Mitternacht auf
der Gass waren, die Bars wurden voller und voller. Wir führten es zunächst
auf südländische Lebensfreude zurück. Eine Gruppe älterer Frauen feuerte ich
an, ihr Liedchen noch mal zu trällern, damit Reini es aufnehmen konnte. Im
Hotel fielen wir todmüde in die Betten. Gestern, Mittwoch den 12.10.05
verbrachten wir den Tag gänzlich anders als geplant, da ich über die
Morgennachrichten erfuhr, dass spanischer Nationalfeiertag ist und somit
alle Geschäfte geschlossen haben. Da außerdem der Sturm mit viel Regen
Einzug gehalten hatte, sagten wir uns „Nichts wie weg“!
Immerhin gabs im Hotel
ein phänomenales Frühstück. Dann los! Wir fuhren quasi die Strecke noch mal
rückwärts und sahen auch viele Pilger einmummelt in Regenklamotten. Sie
taten uns leid! Die Männer wollten gern noch mal an die Rotweintänke, doch
bevor gezapft wurde, besichtigen wir das Kloster Irache, wo viele
Gerätschaften zur Weinherstellung ausgestellt waren. Ansonsten ist es ein
riesiges Anwesen und ungefähr zur Hälfte verfallen. Dann wurden insgesamt so
2 L Wein gezapft. Weiter gings. Wir fuhren die Strecke des Aragonesichen
Weges, um auch den mal kennen zu lernen Das war eine Durststrecke, aber die
Landschaft schon beeindruckend. Felsformationen, ein riesiger
halbausgetrockneter Stausee. Es dauerte und dauerte.
Auf dem Weg hoch schöne
Herbstfarben, eine gigantische stillgelegte Bahnlinie. Oben am Pass (Somport-
Pass), wo der spanische Camino anfängt, hats geregnet. Das Herunterfahren
auf der französischen Seite konnte man genießen. Schön bunt, eine schöne
Pyreneenlandschaft.
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Freitag,
den 14.10.05 |
Unsere Reise nähert
sich dem endgültigen Ende. Wir haben bei Cathi in Freiburg geschlafen und
fahren nach Hause.
Vorgestern Abend
wollten wir in der Nähe von Toulouse übernachten, doch das ging nicht, weil
kein Hotel zur kriegen war. Schließlich übernachteten wir im Bus, was
erstaunlicherweise relativ gut geklappt hat. Gestern fuhren wir den ganzen
Tag bei herrlichstem Wetter durch Frankreich, nur unterbrochen von
Mahlzeitenpausen und kleinen Souvenirkäufen. Um ca. 21 Uhr kamen wir nach
Freiburg!
Das wars, Adios!
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